Heute ist er eine Tradition. Gestern wurde seine Person zur Legende. Er war ein Mönch, der im 18. Jahrhundert sein Kloster in den Apenninen verlies und der Berufung zum Einsiedler folgte, um sich den Studien der Himmelskörper und der Wissenschaften zu widmen.

Vor Beginn eines jeden Jahres gab er seine Wettervorhersagen an seinen Jünger Silvano weiter, mit dem Auftrag diese zu verbreiten. Der Astronom und Philosoph vermass den Himmel, beobachtete und interpretierte die Sterne und leitete von ihnen den Jahresrhythmus und nützliche Ratschläge fürs Alltagsleben ab. Auf diese Weise entstand jedes Jahr sein Kalender: der Barbanera.  

Vom Ruhm zur Tradition ist es ein kurzer Weg: im mittelitalienischen Foligno, in Umbrien, verband sich die Tradition des Barbanera mit der dort weit fortgeschrittenen Druckerkunst. Schon 1472 wurde hier vom Meister Johannes Numeister aus Mainz, einem Schüler von Gutenberg, zusammen mit dem einheimischen Emiliano Orfini, die Erstausgabe von Dante Alighieris Die Göttliche Kömodie (Divina Commedia) gedruckt.  1761 wurde dann aus den Lehren, Studien, Messungen und Beobachtungen des Barbanera ein gedrucktes Blatt Papier: der erste Barbanera Mondkalender für das Jahr 1762.  Geschmückt mit Sonne und Mond, versehen mit Mondzyklen, Wettervorhersagen, Sonnen- und Mondfinsternissen und landwirtschaftlichen Ratschlägen, wurde der Barbanera zum Innbegriff des Mondkalenders und somit zu einem Stück lokaler und europäischer Geschichte.